Publizistische Medien werden aus unterschiedlichen Perspektiven
bewertet: Nicht nur das Publikum bildet sich darüber ein Urteil,
sondern auch Medienkritiker, Preisjuroren, Wissenschaftler, Juristen,
Politiker und die Vertreter der gesellschaftlichen Gruppen kommen-
tieren fortlaufend deren Qualität.
Ist es trotz dieser Vielfalt der Perspektiven möglich, sich auf
Qualitätsmaßstäbe zu einigen? Oder dreht sich die Debatte im Kreis,
weil jeder auf den eigenen Maßstäben beharrt? Und wie lässt sich
konkret messen, ob die Medien die an sie gestellten Erwartungen erfüllen?
Während es für die traditionellen Massenmedien Kriterienkataloge
und eingespielte Verfahren gibt, sind Qualitätsdefinition und
-messung im Falle des Internets noch wenig entwickelt.
Der Anlass für diese Studie war der Drei-Stufen-Test, den
öffentlich-rechtliche Telemedien durchlaufen müssen.
Dabei geht es im Kern um die Frage: Welche Ansprüche stellt die
Gesellschaft an das Internet?
Die juristischen Vorgaben des Drei-Stufen-Tests liefern jedoch
keine ausreichende Anleitung für die Prüfung, ob Internetangebote
den demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen der
Gesellschaft entsprechen und welchen qualitativen Beitrag sie zum
publizistischen Wettbewerb leisten.
Aus diesem Grund wurden in diesem Gutachten, das die Arbeits-
gruppe der ARD-Medienforscher in Auftrag gegeben hat, gesell-
schaftliche Maßstäbe für das Internet entwickelt und erläutert.
Neben diesem Beitrag zum aktuellen netzpolitischen Diskurs wird
der Forschungsstand zur publizistischen Qualität resümiert und in
vorliegendem Buch publiziert, das sich an all jene richtet, die sich
wissenschaftlich, beruflich oder als interessierte Laien kritisch mit
der Qualität der Medien auseinandersetzen.
Aus dem Inhalt:
Christoph Neuberger Vorwort
Einführung
Grundlagen der Forschung über die Qualität publizistischer Medien
Was sind 'Wertungen', was ist 'Qualität'?
Wertungssubjekte: Vielfalt der Maßstäbe Qualität als relatives und dynamisches Konstrukt
Perspektivenabhängigkeit und Standardisierung
Ausweg aus Zielkonflikten (1): Vielfalt als Meta-Norm?
Ausweg aus Zielkonflikten (2): Priorisierung der Maßstäbe?
Ausweg aus Zielkonflikten (3): Einigung im Diskurs?
Wertungssubjekte – ein Vorschlag zur Systematisierung
Wertungsobjekte: Angebot oder Wirkung? Qualitätsdefinition: Definitionsdilemma
Qualitätsmessung: Methodendilemma
Differenzierung von Maßstäben nach Wertungsobjekten
Abstimmung von Erwartungen durch Formate
Qualität in der Perspektive der Gesellschaft Probleme der gesellschaftlichen Perspektive
Funktionsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Qualität in der Perspektive des Publikums Nutzung = Wertschätzung?
Marktversagen auf dem Publikumsmarkt
'Citizen Value' vs. 'Consumer Value'
Organisation von Publikumsinteressen
Qualitätserwartungen und -bewertungen
Qualität in der Perspektive des Journalismus
Qualitätsmessung Methoden der Qualitätsmessung
Messprobleme und Eignung von Methoden
Fehlsteuerung durch Messung?
Kriterien der Qualitätsmessung
Publizistischer Wettbewerb
Publizistische Qualität im Internet
Technisches Potenzial und Öffentlichkeitswandel Technisches Potenzial des Internets im Medienvergleich
Strukturwandel der Öffentlichkeit im Internet
Definition von Qualität im Internet
Funktionsauftrag im Internet Präzisierung des Funktionsauftrags für das Internet
Aktuelle Information
Forumsfunktion
Integrationsfunktion
Weitere Perspektiven auf Qualität im Internet Definition und Messung in der journalistischen Perspektive
Definition und Messung in der Publikumsperspektive
Definition und Messung in der Perspektive von Preisjurys
Perspektiven auf Qualität im Internet – ein Überblick
Publizistischer Wettbewerb im Internet
Fazit
Literaturverzeichnis
Der Autor:
Prof. Dr. Christoph Neuberger hat seit 2011 einen Lehrstuhl für
Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt 'Medienwandel'
an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Zuvor lehrte er an der Universität Münster (2002-2011) und vertrat
eine Professur an der Universität Leipzig (2001-2002).
Im zahlreichen Projekten und Publikationen hat er sich mit Fragen
der Internetöffentlichkeit und der Medienqualität auseinander-
gesetzt.
Er gehört dem Beirat des Grimme-Instituts in Marl an und war
mehrfach in der Jury von Medienpreisen.